Im Rahmen ihrer Ehrenamtstour durch Schleswig-Holstein hat Sozialministerin Aminata Touré gemeinsam mit Kreispräsident Frank Zahel dem BürgerBus Ladelund e.V. einen Besuch abgestattet. Mit der Tour will sich die Ministerin vor Ort ein Bild vom ehrenamtlichen Engagement in den Kreisen machen und mit Engagierten über ihre Arbeit sowie über eine bessere Unterstützung des Ehrenamts ins Gespräch kommen.

Seit zwölf Jahren im Dienst der Region
Seit 2014 ergänzt der BürgerBus Ladelund mit mittlerweile vier Fahrzeugen und 42 aktiven Fahrerinnen und Fahrern den ÖPNV in der ländlichen Region – von Westre und Bramstedtlund bis Klintum und Oster-Schnatebüll. Acht Fahrerinnen und Fahrer sind an jedem Werktag im Einsatz, die ersten bereits kurz nach 6 Uhr auf dem Weg nach Westre und Bramstedtlund. Der Fahrplan ist seit 2019 nahezu unverändert: Bis 18 Uhr bringt der Verein Kindergarten- und Schulkinder zu ihren Einrichtungen und wieder nach Hause, Pendlerinnen und Pendler nach Leck zum Schnellbus oder Menschen nach Süderlügum zum Arzt. Allein in Leck hält der Bürgerbus an 13 Haltestellen – vom Alloheim in der Wikingerstraße über Klintum und das Sozialzentrum bis zum ZOB.
Kreispräsident Frank Zahel brachte die Bedeutung des Projekts auf den Punkt: „BürgerBusse sind der richtige Schritt, um den ÖPNV zu entlasten. Das, was hier ehrenamtlich geleistet wird durch über 40 Ehrenamtliche, ist genau das, was die Menschen vor Ort brauchen – ein Vorzeigemodell, weit über Schleswig-Holstein hinaus.“

Ein Verein unter wirtschaftlichem Druck
Was auf den ersten Blick nach einem kleinen Dorfprojekt aussieht, ist in Wahrheit ein kleines Sozialunternehmen: Für einen verlässlichen Betrieb muss der Verein einen festen Jahresumsatz von 54.000 Euro erwirtschaften. Seit der Einführung des Deutschlandtickets 2023 gerät das zunehmend ins Wanken. Rund 50 Prozent aller Fahrgäste nutzen inzwischen das Deutschlandticket – von den 1,50 Euro, die eine Fahrt etwa von Ladelund nach Leck regulär kostet, kommen darüber nur noch 30 Cent in der Kasse an. 2025 schrieb der Verein erstmals rote Zahlen, für 2026 fällt die Prognose noch schlechter aus: Kassenwart Joachim Wiebecke rechnet mit einem fünfstelligen Fehlbetrag. Hinzu kommen eine hohe Nachzahlung bei Versicherungen und die gestiegenen Spritpreise.
Einen Lichtblick gibt es dennoch: Der Kreis Nordfriesland hat am 1. Oktober zugesagt, das diesjährige Defizit zu übernehmen – eine Zusage, die Kreispräsident Zahel beim Besuch noch einmal bestätigte. Vorsitzende Christel Hintz freute sich sehr darüber, hatte sie doch erst einen Tag zuvor eine Spende der Lecker und Ladelunder Landfrauen entgegengenommen, die sie eigentlich schon dafür nehmen wollte, um das Defizit eines Monats auszugleichen.
Auch in die Ausbildung der Fahrerinnen und Fahrer wird kräftig investiert: Nachdem der Verein im vergangenen Jahr fast vor dem Aus stand, weil viele langjährige Fahrerinnen und Fahrer aufhören wollten, konnten durch eine umfangreiche Kampagne zahlreiche neue Menschen aus der ganzen Region gewonnen werden. Untersuchungen, Fahrsicherheitstraining und Erste-Hilfe-Kurse bringen alle Ehrenamtlichen auf denselben Stand, auch neue Dienstkleidung für rund 20 Fahrerinnen und Fahrer musste angeschafft werden. Geführt wird der Verein organisatorisch wie ein kleines Busunternehmen – mit Personenbeförderungsscheinen, Zollkontrollen und offiziellen Haltestellenschildern. Einnahmen erzielt er ausschließlich über Fahrscheinverkauf, Mitgliedsbeiträge (15 €/Jahr, Familien 24 €/Jahr), Spenden und Werbepartner.

Deutliche Worte zur Verkehrspolitik
Der zwischenzeitlich eingeführte Rufbus des Kreises wurde inzwischen wieder eingestellt, da er wegen gestiegener Personalkosten langfristig zu teuer war. Vorsitzende Christel Hintz brachte ihren Unmut klar zum Ausdruck: „Es kann nicht sein, dass Ehrenamtliche mit Hilfe von Spenden den ÖPNV aufrechterhalten!“ Ministerin Touré pflichtete ihr bei: „Ich finde das krass, dass ihr Aufgaben übernehmt, die ihr nicht übernehmen solltet. Das eigentliche Problem ist ein verkehrspolitisches Problem.“ Sie kündigte an, gemeinsam mit ihrem Referat die Strukturen besonders in Nordfriesland noch einmal anzusehen, um möglichst niedrigschwellige Unterstützung für die Ehrenamtlichen zu finden.

Zum Abschluss des Besuchs gab es noch eine kleine Überraschung: Was Aminata Touré bis dahin nicht wusste – sie sollte den BürgerBus selbst fahren. Mit sichtlicher Freude setzte sie sich ans Steuer, drehte eine Runde durch Ladelund und bedankte sich am Ende herzlich bei allen, die ihr das Projekt BürgerBus Ladelund mit allen Herausforderungen so anschaulich vorgestellt hatten.
