„Das Wissen um die Verbrechen des Nationalsozialismus verpflichtet uns heute umso mehr, Verantwortung zu übernehmen – für eine Gegenwart, in der wir stets erinnern, die Menschenwürde schützen und vor Antisemitismus, Rassismus sowie Ausgrenzung warnen.“ Mit diesen Worten wandte sich Landrat Florian Lorenzen am 27. Januar 2026 an die rund 100 Gäste, die anlässlich des Tages zum nationalen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus abends ins Husumer Kreishaus gekommen waren. Im Anschluss an eine Andacht von Pastor Andreas Raabe wurde im Foyer des Kreistagssitzungssaals die Ausstellung „Rechte Gewalt in Hamburg von 1945 bis heute“ eröffnet.

Rund 100 Gäste nahmen an der Ausstellungseröffnung im Husumer Kreishaus teil. © Philipp Cordts
Sie zeigt am Beispiel der Hansestadt, dass rechtsextreme Gewalttaten und Menschenfeindlichkeit keineswegs mit dem Jahr 1945 endeten, sondern bis heute Teil der gesellschaftlichen Realität sind. 1980 beispielsweise verübten Mitglieder der „Deutschen Aktionsgruppen“ einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Billbrook, dem die jungen Vietnamesen Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân zum Opfer fielen. 2001 erschossen neonazistische Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, kurz NSU, im Stadtteil Bahrenfeld den türkischstämmigen Süleyman Taşköprü in seinem Lebensmittelladen.
Die Ausstellung erzählt auf 38 Tafeln die Geschichten der drei Männer sowie weiterer Opfer in Hamburg und nimmt zudem die Täter sowie ihre Netzwerke und Strukturen in den Blick. Zugleich beleuchtet sie die gesellschaftlichen und politischen Formen der Gegenwehr gegen rechte Gewalt. Konzipiert wurde sie 2024 von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte, dessen Kurator Lennart Onken im Rahmen der Eröffnung Einblicke in ihre Entstehung und die erschreckende Recherche dafür gab.
Unter den Gästen der Veranstaltung befand sich auch İbrahim Arslan, der 1992 als Siebenjähriger in nasse Decken gewickelt den rassistischen Brandanschlag auf zwei Wohnhäuser im schleswig-holsteinischen Mölln überlebte. Drei seiner Familienmitglieder kamen dabei ums Leben. Er stand Interessierten im Laufe des Abends im Kino-Center Husum Rede und Antwort. Zuvor wurde dort der Film „Die Möllner Briefe“ gezeigt, der vom Überleben nach dem Anschlag und einer Solidarität, die jahrzehntelang ungehört blieb, erzählt.

Die Ausstellung wurde 2024 von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte konzipiert. © Philipp Cordts
Wer noch keine Gelegenheit dazu hatte, kann die Ausstellung noch bis zum 24. Februar 2026 zu den Öffnungszeiten der Kreisverwaltung besuchen – montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr. Eine Besichtigung durch Schulklassen ist innerhalb dieser Zeit ohne Anmeldung möglich.