Um die Zusammenarbeit und Abläufe im Krisenfall zu festigen, hat der Katastrophenabwehrstab des Kreises Nordfriesland am 9. und 10. Februar im Husumer Kreishaus eine Übung durchgeführt. Im Mittelpunkt stand das Zusammenspiel aller beteiligten Behörden und Organisationen, wenn sich eine Wetterlage binnen kurzer Zeit zuspitzt und parallel viele Entscheidungen getroffen, Ressourcen gesteuert und die Bevölkerung verlässlich informiert werden müssen.
Das Übungsszenario spielte am 21. Dezember und war bewusst zugespitzt: Seit Tagen anhaltende starke Regenfälle hatten die Böden gesättigt, Flussdeiche waren stark durchfeuchtet, zahlreiche Freiwillige Feuerwehren befanden sich im Dauereinsatz. Gleichzeitig wurde ein Sturm bis Stärke 10 angenommen, verbunden mit der Ankündigung einer Sturmflut von vier Metern über MTHW. Entlang der Gewässer verdichteten sich die Meldungen – etwa zu Überflutungen an der Treene bei Schwabstedt, einer Durchsickerung des Deiches im Bereich der östlichen Treeneschleife bei Friedrichstadt sowie drohende Überflutungen in Tönning rund um Hafen und Campingplätze. Mehrere Böschungsrutschungen, unter anderem am Bongsieler Kanal, erforderten zudem Unterstützung durch das Technische Hilfswerk. Auf den Seedeichen stemmten sich Deichgänger aus den Feuerwehren gegen den Sturm, um Schäden rechtzeitig zu entdecken; im Bereich Fuhlehörn vor Nordstrand wurde größeres Treibgut gesichtet, möglicherweise ein 20-Fuß-Seecontainer, der eine Gefahr für den Deich darstellte.

Landrat Florian Lorenzen rief in der Übung seinen Führungsstab zusammen, um ein fortlaufend aktualisiertes Lagebild zu erhalten und Maßnahmen vorzubereiten. Zum Stab gehören ehrenamtlich Tätige – sie kommen aus der Feuerwehr, dem THW, dem DRK, der Psychosozialen Notfallvorsorge und der »Regieeinheit Information und Kommunikation« des Katastrophenschutzes – sowie hauptamtliche Vertreter des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz, der Landespolizei, der Bundeswehr, des Klinikums Nordfriesland sowie der Kreisverwaltung. Ihre zentralen Aufgaben umfassen die Führung einer Lagekarte, die Organisation von Personal- und Materialressourcen, die Sicherstellung belastbarer Kommunikationswege, die Vorbereitung von Evakuierungsunterkünften sowie die enge Abstimmung mit den acht regionalen Krisenstäben im Kreisgebiet und dem der Landesregierung.
Konzipiert und geleitet wurde die Übung von Fachleuten der Landesfeuerwehrschule in Harrislee. Sie spielten fortlaufend neue Ereignisse ein, um die Entscheidungswege unter Zeitdruck zu prüfen. So wurden etwa ein umgekippter LKW auf der Eiderbrücke bei Tönning, eine überlastete Kanalisation in Westerland, durch umgestürzte Bäume unpassierbare Straßen sowie eine unterspülte Bahnstrecke in das Szenario eingebracht.
Unter der Leitung von Oberst Thomas Groeters, dem früheren Kommandanten des in Husum stationierten Spezialpionierregiments 164, und von Christian Grelck, dem Leiter des Fachbereiches Soziales, Arbeit und Teilhabe der Kreisverwaltung, reagierte der Stab in der Übung mit Maßnahmen, wie sie auch im Ernstfall zu erwarten wären. Dazu zählte die Information der Bevölkerung über Verkehrsbehinderungen und die Einstellung des Schulbetriebes und des Busverkehrs am 22. Dezember. Die Übung umfasste auch die Aktivierung freiwilliger Hilfe: Im Szenario rutschte die Böschung des Bongsieler Kanals ab, wodurch umliegende Bereiche von Überschwemmung bedroht waren. Zur Stabilisierung sollten Sandsäcke gefüllt werden; der Stab entschied sich, mit einem Aufruf in der Presse und in den sozialen Medien 100 freiwillige Helfer zu suchen.
Der Landrat selbst übte die Krisenkommunikation unter anderem mit Social-Media-Videos, in denen er über die Lage informierte, die Einsatzkräfte würdigte, Warnhinweise gab und Urlaubsgäste bat, ihre Anreise in die Weihnachtsferien bis zur Beruhigung der Wetterlage zu verschieben.
Zum Abschluss zogen die Fachleute aus der Übungsleitung ein positives Fazit: Der Stab habe konzentriert und strukturiert gearbeitet, die Lageentwicklung schlüssig bewertet und die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen über die mitgetesteten Funkverbindungen reibungslos koordiniert. Landrat Florian Lorenzen dankte allen Beteiligten für ihr Engagement. Er sagte zu, der der Kreis einige kleinere Punkte, an denen Abläufe noch klarer gefasst oder Schnittstellen weiter geschärft werden können, in seine Alarm- und Einsatzplanung einarbeiten wird.