Nie wieder Urlaub!   Schon gelesen?


Etwas wehmütig kam unser Hausmeister Wolfgang Dechent heute ein letztes Mal an seinen Arbeitsplatz im Rathaus. Nicht nur, dass er nie wieder Urlaub hat – am 1. Juni beginnt offiziell sein Ruhestand – auch die Menschen und die Räumlichkeiten des Rathauses werden ihm fehlen.

„Ich bin noch einmal durch den Keller gegangen!“

Richtig im Dienst war er zuletzt Anfang April, als er seinen Nachfolger Benjamin Blüge eingearbeitet hat. Zu seinen Aufgaben gehörten vor allem die Bestuhlung und der Umbau der beiden Säle je nach Anlass, stets verbunden mit dem Einrichten der Technik – Mikrofone und Videoanlage. Natürlich zählten auch kleinere Reparaturen dazu: das Wechseln der Glühbirnen in den großen Deckenlampen oder der Batterien in den elektrischen Türschlössern. Den Beflaggungskalender kannte er auswendig, und wann welche Mülltonne rauszustellen war, ist ihm längst in Fleisch und Blut übergegangen.

Ein bisschen gerührt ist er schon…

Den Weg ins Rathaus fand Wolfgang Dechent durch einen glücklichen Hinweis: 2010 machte ihn seine Nachbarin darauf aufmerksam, dass der damalige Hausmeister bald in Rente gehen würde – ob das nicht etwas für ihn sei. Zu diesem Zeitpunkt war er noch als Soldat in Jagel stationiert. Wolfgang kam als Dreijähriger aus dem Rheinland in den Norden, zunächst nach Tarp; später wurde sein Vater – ebenfalls Soldat – nach Leck versetzt. So lebt er nun seit über 60 Jahren in unserem Ort. Das Rathaus kannte er bis dahin nur von seiner eigenen Trauung im Trauzimmer, das heute als Besprechungszimmer dient, und vom Empfangsbereich des Bürgerbüros.

Als er von der frei werdenden Stelle mit zehn Wochenstunden hörte, bewarb er sich initiativ – sehr zur Überraschung des damaligen Bürgermeisters. Seine Bewerbung kam gut an, und Wolfgang Dechent wurde bald unersetzlich im Rathaus. In den letzten Jahren veränderte sich sein Aufgabenbereich erheblich – die Anforderungen wuchsen, während der offizielle Stundenrahmen enger wurde. Wolfgang fand darin stets seinen Weg, mit der ihm eigenen Ruhe und Zuverlässigkeit, die wir alle so schätzen gelernt haben.

Der Moment der Schlüsselübergabe

Was verändert sich für ihn? Er schläft jetzt länger – und weiß mittlerweile, dass die besten Krimis erst um 22 Uhr beginnen. Früher lag er da längst im Bett, denn sein Wecker klingelte um 5 Uhr morgens. Eigentlich wollte er mit seiner Frau Margret erst einmal Urlaub machen, doch das Haus hat Vorrang: Die neue Heizung wartet schon. Seine alte Werkzeugtasche – noch aus Soldatenzeiten, die ihm auch im Rathaus treue Dienste geleistet hat – ist bereits in die heimische Werkstatt umgezogen.

Zum Abschied wollte er keinen großen Bahnhof. Kürzlich hatten Kolleginnen und Kollegen zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen; heute folgte der offizielle Abschied mit Urkunde – eine Tradition, die Bürgermeister Andreas Deidert von der Bundeswehr übernommen hat.

„Das ist die beste Urkunde, die ich je bekommen habe!“

Auch über das Präsent der Gemeinde – Wein, etwas Naschwerk und die Chronik der Gemeinde Leck – freute er sich sehr. Letztere hatte er sich schon lange gewünscht, aber nirgendwo käuflich erwerben können.

Von links hinten: Sabine Schwarz, Benjamin Blüge, Annette Wunder, Claudia Bruch; vorne: Susanne Ingwersen, Wolfgang Dechent, Andreas Deidert, Dieter Davids

Lieber Wolfgang, unsere Tür steht dir immer offen – danke für alles, was du für uns getan hast!