Entwässerung in Nordfriesland


Uns erscheint es selbstverständlich, wenn nach einem kräftigen Regenguss das Wasser im Boden verschwindet und – eines Tages – dem Meer zufließt. Ein ewiger Kreislauf. Nachdem er in der Erde versickert ist, speist der Regen wieder unsere Bäche, Seen und Flüsse, sammelt sich in den Meeren um letztlich wieder aufzusteigen und erneut wieder Wasser zu spenden. Doch bis dahin ist es ein langer Weg.

Auf seinem Weg gelangt das Wasser in Gräben, Bäche, Flüsse und in das örtliche Kanalnetz. Damit es immer möglichst schadlos fließen kann, müssen unsere Gewässer in Funktion gehalten werden. Diese Unterhaltung wird seit Jahrhunderten von Wasser- und Bodenverbänden wahrgenommen.

»Wasser ist keine übliche Handelsware,
sondern ein ererbtes Gut,
das geschützt, verteidigt
und entsprechend behandelt werden muss.«
(Europäische Wasserrahmenrichtlinie)

Rund 500 Wasser- und Bodenverbände in Schleswig-Holstein unterhalten als Selbstverwaltungsorgan Deiche, Gewässer und Schöpfwerke in unserer Heimat.

Zuständig für die Wasserwirtschaft, den Hochwasserschutz und den Naturschutz in Nordfriesland ist der Deich- und Hauptsielverband Südwesthörn-Bongsiel. Dieser Verband hat in den beiden Entwässerungsgebieten Südwesthörn und Bongsiel aktuell 39 Mitglieder. Auf Lecker Grund gibt es drei Verbände, die Sielverbände (SV) Obere Lecker Au mit einer Fläche von knapp 2.500 ha und den Sielverband (SV) Klixbüll-Leckenger-Koog mit einer Gesamtfläche von gut 900 ha, davon liegt jeweils ein Teil auf Lecker Boden. Zudem ist für den nördlichen Teil des Gemeindegebietes der Wasser- und Bodenverband Lecker Mühlenstrom, 1.770 ha groß, als selbstständiger Verband, zuständig.

Zu viel oder zu wenig Wasser gefährdet das Leben.

Aus diesem Grund muss unser Wasser bewirtschaftet werden. Bis in die 1980er Jahre wurden die Gewässer vom Menschen so gestaltet, dass das Oberflächenwasser möglichst schnell abfließen konnte. Bei der Unterhaltung der Gewässer werden seit vielen Jahren jedoch auch Aspekte von Landschafts- und Naturschutz gleichrangig berücksichtigt.

Im Dezember 2000 wurde die EU-Wasserrahmenrichtlinie beschlossen. Die Qualität unserer Gewässer soll wieder einen »guten Zustand« erreichen. Europaweit.

„Gewässer sind dann in einem guten Zustand, wenn ihre Lebensgemeinschaften, ihre Struktur, bei Oberflächengewässern die chemischen Inhaltsstoffe bzw. beim Grundwasser die chemischen Inhaltsstoffe und deren Menge vom Menschen nur gering beeinflusst sind.“

Die Lage an der Westküste erforderte wasserwirtschaftliche Abflusseinrichtungen, weil Teilgebiete der Marsch unterhalb des Meeresspiegels liegen. Zugleich sollten sich die Einrichtungen zur Gewinnung von Trink- und Brauchwasser nicht in der Marsch, sondern in der Geest befinden, um eine Versalzung des marscheigenen Grundwassers zu verhindern. Der typischen Waldarmut des Landes sollte durch Aufforstung begegnet werden, um die Sandflucht des Ackerbodens zu mindern.

Das sog. „Programm Nord“ begann im ehemaligen Kreis Südtondern, im Grenzland zu Dänemark. Zunächst wurden an der Nordseeküste Deiche errichtet, die dadurch entstandenen Köge sind der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog und der Hauke-Haien-Koog. Der Hafen Schlüttsiel wurde gebaut.

Außerdem erfolgte durch das Programm Nord in den 1950er Jahren die endgültige Begradigung und abschnittsweise beidseitige Bedeichung der Lecker Au: „Die Au wurden zu einem Kanal ausgebaut und das Land mittels Drainagen und Pumpstationen trocken gelegt.“

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Seitdem wird die Lecker Au nicht nur von der Quelle und ihren Zuläufen wie z.B. dem Lecker Mühlenstrom, sondern auch vom überschüssigen Regenwasser aus der Region gefüllt.

Das fast reine Geestgewässer bildet den Hauptvorfluter für ein Einzugsgebiet von rd. 22.000 Hektar, davon 14.200 Hektar auf der Geest in freier Entwässerung und 7.800 Hektar in der Marsch, hier erfolgt die Entwässerung im Wesentlichen über Schöpfwerke. Bei starkem Niederschlag tritt der Fluss über seine Ufer, vier- bis fünfmal jährlich heißt es zum Beispiel im Augarten Leck „Land unter“.

Im Lecker Untergrund gibt es zwei voneinander getrennte Kanalnetze mit insgesamt 99 km Länge – eines für Niederschlagswasser (ca. 38 km Länge), das in 11 Regenrückhaltebecken im gesamten Ort gepuffert und dann über Entwässerungskanäle in das nächstliegende, wasserabführende Gewässer geleitet wird.

Das zweite Kanalnetz mit fast 51 km Länge (ohne Druckleitungen und Anschlusskanäle) und 37 Pumpwerken ist für Schmutzwasser. Die Kläranlage der Gemeinde Leck am Bahnseitenweg (Leckeng) wurde 1972/73 geplant und 1975 offiziell eingeweiht. Sie ist auf 12.500 Einwohnergleichwerte ausgelegt und kann 600.000 m³ jährlich verarbeiten. Versorgt werden durch die Lecker Kläranlage der gesamte Ort Leck mit Klintum und Oster-Schnatebüll sowie die Gemeinde Achtrup. Bewirtschaftet wird die Anlage von den Kommunalbetrieben Leck.

Das Abwasser wird über eine 2,2km lange Druckrohrleitung vom Lecker Ortskern, dem ehemaligen Standort „Altes Klärwerk“ mit einer Leistung von 39 kW bzw 310 m³/h zur Kläranlage gepumpt. Der Trockenwetter-Zulauf beträgt ungefähr 1.200 m³ am Tag.

Die verschiedenen Arbeitsgänge in der Kläranlage sind auf der Zeichnung dargestellt. Nach dem Sieben, wo Feststoffe, Fett und Sand entfernt werden, wird im Vorklärbecken die einzige Chemie in der ganzen Anlage eingesetzt: je nach Phosphatgehalt wird die Substanz Eisen(III)-chlorid feindosiert dem Abwasser zugesetzt.

Im Belebungsbecken verrichten fleißige Mikroorganismen wie Bärtierchen, Sauginfusoren oder Glockentierchen ihr Werk. Das letzte Becken schließlich ist das Nachklärbecken. Hier setzt sich der Schlamm ab und nur das gereinigte Wasser darf mittels Pumpe den Weg in die Lecker Au nehmen.

„Das Wasser ist so sauber, das könnte man sogar trinken!“

Der Schlamm wird im sogenannten Eindicker entwässert und dann verbrannt oder unter strengen Auflagen für die Landwirtschaft genutzt. Zukünftig benötigen wir eine größere Kläranlage, eine Hauskläranlagenannahmestation und eine Alternative zur Schlammentsorgung.

Ein paar Zahlen

  • 11 Regenrückhaltebecken
  • 1947 wurden erste Kanalisationspläne für Leck beschlossen
  • 1950 besaß Leck 5.355 m Rohrleitungen und 155 Hausanschlüsse
  • heute laufen 38 Pumpwerke und werden regelmäßig gewartet (3 große wie hier im Augarten, 35 kleinere)
  • Ca. 1.700 Kanaldeckel mit darunterliegenden Abwasser- und Regenwasserschächten werden regelmäßig begutachtet und mit Mitteln zur Schadnagerbekämpfung versorgt
  • Abwassermenge 2018 = 597.363m³.
  • 1993 kostet 1m³ Abwasser = 3,20 DM
  • 2020 kostet 1m³ Abwasser = 3.92 Euro

Anfragen für Gruppenführungen in der Kläranlage gerne unter 04662 / 73 90 oder abwasser@gemeinde-leck.de

Infoquellen u.a.

www.deichbauamt.de, G. Oldigs
Kommunalbetriebe Leck
www.progewässer.de