Der Kokkedahler Sumpf


Südlich der Lecker Au zwischen Kokkedahler Weg und Flensburger Straße befindet sich das ca. 12 ha große Niederungsgebiet „Kokkedahler Sumpf“, überwiegend im Besitz der Gemeinde Leck. Die Niederung ist weitgehend von bebautem Gebiet umgeben, die anliegenden Gartengrundstücke und Keller sind zum Teil auf die Entwässerung durch Gräben und Drainagen in das Gebiet hinein angewiesen. Das Niederungsgebiet entwässert über den sog. „Kokkedahler Deichgraben“ und ein Pumpwerk in die Lecker Au.

Zur Landschaftsentwicklung

Im Gebiet zwischen Inseln und Festland bildete sich im Laufe der Zeit Marschland: Immer, wenn das Meer diese Gebiete überspülte, lagerten sich fruchtbare Sedimente ab, auf denen die saftigen Wiesen und Weiden entstanden, in den dazwischenliegenden schlecht entwässerten Bereichen entstanden Sümpfe und Moore.

Sümpfe sind terrestrische Lebensräume mit zeitweise stark vernässten, schlammigen Böden mit stehendem Wasser. Im Gegensatz zum andauernd vernässten Moor, an dessen Oberfläche sich Torf ausbildet, wird organische Substanz im Sumpf vollständig zu Humus umgesetzt oder ausgeschwemmt.

Die Standortbedingungen im Kokkedahler Sumpf, insbesondere die Wasserverhältnisse, haben sich vor allem durch die Ausgrabungen im vergangenen Jahrhundert (Burg Leckhuus, Torfabbau Anfang der 1920 Jahre, Bedeichung der Lecker Au ca. 1950 ) stark verändert.

Das Gebiet unterteilt sich in

  • ca. 4,0 ha Feuchtgrünland
  • ca. 1,5 ha Kleinseggen- und Orchideenbereiche
  • ca. 6,5 ha Laubwald / Erlenbruchwald / Verbuschungszone

Ein ursprünglich bestehender Plan zur Umwandlung des Kokkedahler Sumpfes in einen Bürgerpark ist Ende der 1970er Jahre zugunsten einer naturnahen Gestaltung und Entwicklung dieses Gebietes aufgegeben worden. 1986 ist ein Konzept für die Renaturierung des Kokkedahler Sumpfes erstellt worden. Seit 1990 betreut der Naturschutzverein Südtondern das Feuchtgebiet.

Das Wort Sumpf tritt seit dem Mittelhochdeutschen auf und ist mit englisch swamp verwandt (westfäl. swampen, ‚schwappen, schwanken‘) sowie auch mit Schwamm ‚Pilz‘.

Ein anderes Wort für Sumpf mit (ehemaligem) Busch- oder Waldbestand ist der oder das Bruch, niederdeutsch Brook. Die charakteristische Auvegetation ist der Bruchwald.

Die sehr unterschiedlichen Vegetationsformen im Kokkedahler Sumpf, z. B. der Erlenbruchwald, bieten Lebensraum für eine große Vielfalt an Pflanzen und allerlei Getier. Kleiber und Rabenkrähen, Finken, Meisen, Fasane sind oft zu entdecken und ihre Gesänge und Rufe zu den unterschiedlichsten Tageszeiten zu hören. Die Buschzonen bieten zB ideale Verstecke für Rotkehlchen. Kröten und Molche, Schmetterlinge, Libellen und andere Insekten fühlen sich ebenfalls heimisch im Feuchtgebiet.

Sehr wohl fühlen sich dort allerdings auch Rehe. So schön diese Tiere anzusehen sind, für die Orchideen sind sie – gezählt wurden kürzlich 25 Exemplare – der Tod: Wurden in 2009 noch 260 blühende Orchideen gezählt, sind im Kokkedahler Sumpf heute fast keine blühenden Exemplare mehr zu finden. Ein weiteres großes Problem ist das langsame Trockenfallen der Feuchtwiese. Die zunehmende Verbinsung verdrängt ebenfalls seltene Pflanzen und Gräser.

Das Leben, die Natur befindet sich immer im Wandel – es bleibt nichts bestehen, so wie es war.

Folgende Pflanzen wachsen im Kokkedahler Sumpf:

Fieberklee

Der Fieberklee oder Bitterklee (Menyanthes trifoliata) ist eine Pionierpflanze, die in Flachwasser vordringt, zur Verlandung beiträgt und so den Lebensraum für andere Arten bereitet, von denen er schließlich verdrängt wird. Als häufige Begleiter treten Braun-Segge (Carex nigra), Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris), Sumpf-Veilchen (Viola palustris) und Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium) auf.

Der Fieberklee ist als Wasserpflanze ein Wasserwurzler oder eine Sumpfpflanze. Er weist folgende Anpassungen an den Sumpfstandort auf: Stängel und Blattstiele sind hohl und dienen der Durchlüftung am sauerstoffarmen Sumpfstandort und dem Auftrieb. Der Gehalt an Gerbstoffen beträgt bis zu 7 %, was der Fäulnisbildung entgegenwirkt.

In Mitteleuropa reicht die Blütezeit von Ende April bis Juni, die Fruchtreife von Juni bis Juli.

Da viele der natürlichen Standorte trockengelegt wurden, gilt der Fieberklee in Deutschland als gefährdet. Er steht gemäß Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz und darf nicht ohne Genehmigung aus der Natur entnommen werden.

Zur Heilwirkung: Den getrockneten Blättern der blühenden Pflanze wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Als Bittermittel fördert die Droge die Speichel- und Magensaftsekretion und wird dementsprechend bei Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen sowie bei Völlegefühl oder Blähungen eingesetzt. Auch in bitteren Kräuterlikören und -schnäpsen sind gelegentlich Auszüge enthalten. Fieberkleeblätter werden überwiegend in Teemischungen verwendet. Die früher übliche Einnahme gegen Fieber kann auf Grund der Inhaltsstoffe nicht nachvollzogen werden.

Die Loki Schmidt Stiftung kürte den Fieberklee zur „Blume des Jahres“ 2020.

Sumpfhornklee (gelb blühend)

Der Sumpf-Hornklee (Lotus pedunculatus) ist eine Pflanzenart der Gattung Hornklee (Lotus) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Die aufrechten bis aufsteigenden, meist kahlen Stängel sind hohl und werden 20 bis 90 Zentimeter lang. Die Blütezeit liegt im Juni und Juli. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Der Bestand des Sumpf-Hornklees ist in Europa derzeit nicht gefährdet.

Kuckucks-Lichtnelke

Die ist eine Pflanzenart in der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).

Eine ganze Reihe von Pflanzenarten trägt den Kuckuck im Namen. Bei der Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi (L.) Clairv.) wird die Blütezeit im Mai, Juni mit dem Ruf des Kuckucks und mit dem Auftreten von „Kuckucksspeichel“ in Verbindung gebracht; so erklärt sich auch der Name.

Die Kuckucks-Lichtnelke ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 90 cm erreicht. An ihren Stängeln findet man nicht selten weiße, schaumige Massen mit den Larven der dort Pflanzensäfte saugenden Schaumzikade (Philaenus spumerius). Diese Schaumgebilde werden im Volksmund „Kuckucksspeichel“ genannt, weil sie mit der Rückkehr des Kuckucks Anfang Mai in Verbindung gebracht wurden.

Sie gedeiht am besten in feuchten, mäßig fetten Wiesen, Mooren und Sümpfen. Früher hatte die Kuckucks-Lichtnelke eine geringe Bedeutung in der Volksmedizin. Heute wird sie als Zierpflanze in Gärten oder an Gartenteichen verwendet.

Sumpfblutauge

Das Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris (L.)) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Fingerkräuter (Potentilla) in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Es ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 70 Zentimeter erreicht, und besiedelt vor allem Nieder- und Zwischenmoore sowie allgemein nasse, zeitweilig überflutete, mäßig saure Torf- und Schlammböden.

Das Sumpf-Blutauge ist in Europa, Sibirien, Island, Grönland und Nordamerika verbreitet.

Das Sumpf-Blutauge steht wegen seiner Spezialisierung auf den stark bedrohten Lebensraumtyp Moor in vielen Regionen auf der Roten Liste.

Das Rhizom enthält sehr viele Gerbstoffe und einen roten Farbstoff. Dieser wurde früher gegen Durchfall verwendet sowie zum Gerben und Rotfärben eingesetzt.

Mädesüß

Mädesüß (Filipendula) (auch Spierstaude; lat. Spirea) ist eine Gattung in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), die in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel vorkommt.

Mädesüß-Arten finden sich in Europa und den gemäßigten Breiten Asiens bis nach Yunnan und in den Himalaya sowie im östlichen Nordamerika. Sie wachsen in Wäldern und auf offenen Standorten (Grasland), häufig mit feuchten Böden.

Seggen und Binsen

Seggen (Carex) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae). Die über 2200 Arten gedeihen in den kalten und klimatisch gemäßigten Gebieten fast weltweit. Der Gattungsname Carex ist eine lateinische Bezeichnung für Sauergräser mit schneidenden Blättern. Der Trivialname Seggen leitet sich vermutlich von einer rekonstruierten indogermanischen Wurzel *(s)ker- (schneiden) ab.

Die Vertreter der Gattung kommen häufig an feuchten bis nassen Standorten vor. Das Wasser steht in der Wachstumszeit selten höher als 50 Zentimeter. An solchen Standorten sind Seggen häufig dominant oder kodominant.

Die Redewendung „In die Binsen gehen“ stammt ursprünglich aus der Jägersprache und bedeutet, dass man etwas verloren hat oder dass ein Projekt misslungen ist. Als Binsen werden die hohen Pflanzen und Gräser am Ufer eines Sees bezeichnet, die ein gutes Versteck für Enten und andere Wasservögel bieten.

Infoquellen u.a.

Naturschutzverein Südtondern, D. Paulsen, W. Ziriakus und G. Oldigs
Wikipedia Sumpf u.a.
www.rote-liste-zentrum.de