Über 50 Projektinitiativen, 85 kooperierende Unternehmen, Organisationen und Institutionen – das deutsch-dänische Interreg-Projekt ARTEMIS endet nach drei Jahren mit einer positiven Bilanz für kleine und mittlere Unternehmen in der Grenzregion.
Mit dem Crossborder Innovation Day am 7. Mai 2026 in Flensburg feierte das Interreg-Projekt ARTEMIS seinen offiziellen Abschluss, nach drei Jahren Laufzeit endet das Projekt formal Ende Mai 2026. Von Juni 2023 bis Mai 2026 brachte das Projekt Studierende, Hochschulen und Unternehmen aus der deutsch-dänischen Grenzregion zusammen, mit dem Ziel, Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) konkret voranzubringen. Gefördert mit rund 1,55 Millionen Euro aus EU-Mitteln über Interreg Deutschland-Danmark, hat das Projekt die selbst gesteckten Ziele deutlich übertroffen.
Von der Theorie in die Praxis – vier Beispiele aus der Projektregion
Die Themen reichten von CO₂-neutraler Produktion und Kreislaufwirtschaft über nachhaltige Materialströme und wasserlose Sanitärlösungen bis hin zur digitalen Sicherheit von Kindern und Jugendlichen. Vier Beispiele zeigen, wie die Zusammenarbeit konkret aussah:
In Rendsburg entwickelten drei dänische Masterstudierende der Universität Süddänemark (SDU Sønderburg) für die Matthies Druckguss GmbH & Co. KG einen Fahrplan zur CO₂-Neutralität. Ihre dreimonatige Semesterarbeit lieferte dem Betrieb eine Analyse bestehender Materialströme sowie gestaffelte Handlungsvorschläge für die nächsten zehn Jahre – ein Ergebnis, das dem Unternehmen als strategische Grundlage dient.
Im nordfriesischen Tönning untersuchten sechs Studierende der SDU aus Sønderborg für den Verkehrssicherheitsspezialisten Adolf Nissen Elektrobau GmbH & Co. KG, wie gebrauchte Kunststoffteile, zum Beispiel Leitbaken, zurückgenommen und wiederverwertet werden können. Sie entwickelten ein Konzept für ein Rücknahmesystem inklusive Kundenanreizen und Logistikmodellen – ein praktischer Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft.
„Deutsch-dänische Kooperationen helfen dabei, Grenzen im Kopf abzubauen. Der Blick über den eigenen Tellerrand bringt neue Impulse, fördert die Weiterentwicklung von Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten und macht ganz nebenbei auch richtig Spaß.“
Anja Kujawski, Senior-Projektmanagerin, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland
Auf dänischer Seite befassten sich deutsche Masterstudierende der Europa-Universität Flensburg mit der Frage, wie der Handwerksbetrieb Matti Tæppekantning aus Sottrup (Dänemark) seine anfallenden Teppichreste wirtschaftlich und nachhaltig weiterverwenden kann, statt sie wegzuwerfen. Innerhalb von zwei Semesterprojekten erarbeiteten sie Produktprototypen und Geschäftsmodelle für das Upcycling des Materials. Der Betrieb will diese Ansätze in Zukunft weiterverfolgen.
Einen anderen Weg beschritt ein deutscher Bachelorstudent der Hochschule Flensburg: Er analysierte im Rahmen seiner Bachelorarbeit, wie die dänische Fr. Petersen Maskinfabrik A/S aus Broager mit ihren Ziegel-Recyclingmaschinen den deutschen Markt erschließen kann. Das Ergebnis: eine fundierte Marktanalyse, rechtliche Einschätzungen und erste Kontakte zu potenziellen Vertriebspartnern in Deutschland.
Mehr Kooperationen als geplant
Ursprünglich war das Projekt auf 30 Projektinitiativen ausgelegt. Am Ende stehen über 50 abgeschlossene Initiativen – rund 80 Prozent davon grenzüberschreitend – sowie 85 beteiligte Unternehmen, Organisationen und Institutionen als Projekt- und Netzwerkpartner. Die Kooperationsformate reichten von Tages-Workshops über Semesterprojekte und Bachelor- sowie Masterarbeiten bis hin zu Hackathons.
„Innovation entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Studierende und Unternehmen haben nicht nur Wissen ausgetauscht – sie haben gemeinsam Lösungen entwickelt.“
Dr. Silke Tegtmeier, Professorin für Entrepreneurship, Universität Süddänemark (SDU)
Ein Netzwerk bleibt
Hinter ARTEMIS standen acht Projektpartner: auf deutscher Seite die Hochschule Flensburg, die Europa-Universität Flensburg sowie die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Kreise Rendsburg-Eckernförde und Nordfriesland; auf dänischer Seite neben der SDU der Sønderborg Vækstråd, Business Aabenraa und die Mind Factory by ECCO.

Gemeinsam erfolgreich: Das Projektteam von ARTEMIS feiert den Abschluss des deutsch-dänischen Interreg-Projekts beim Cross-Border Innovation Day in Flensburg, Mai 2026. © Jakub Jan Świerzko
Das aufgebaute Netzwerk soll über das Projektende hinaus bestehen bleiben. „ARTEMIS hat gezeigt, welches Potenzial in der grenzüberschreitenden Arbeit steckt. Wir werden die Zusammenarbeit in der Region auf jeden Fall weiterführen“, so Tegtmeier.
Fakten auf einen Blick
- Projektlaufzeit: Juni 2023 – Mai 2026
- Fördersumme: 1.551.963 €
- Leadpartner: Syddansk Universitet (SDU), Institut for Teknologi og Innovation, Sønderborg
- Förderung: Interreg Deutschland-Danmark, kofinanziert durch die Europäische Union
- Weitere Informationen: www.interreg-de-dk.eu/projekte-ergebnisse/unsere-projekte-1/einzelansicht-projekte/artemis/