Der Flugplatz Leck


In Leck gab es schon immer Soldaten. Auf dem westlichen Ochsenweg, einer der beiden einstigen Nord-Süd-Verbindungen, wurden nicht nur riesige Viehherden zu den Märkten im Süden getrieben, er war im 30jährigen Krieg auch ein bedeutender Heerweg.

Garnisonsstadt wurde der Ort jedoch erst in neuerer Zeit. Nachdem 1937 einige tausend Mann in Bau-Bataillonen nach Leck gekommen waren, konnte der erste Flugplatz 1939 eingeweiht werden. Als erste Maschine landete in Leck eine Ju 52. Sie geriet aber von der Rollbahn ab und riss einen Teil der frischen Grasnarbe gleich wieder auf. Später kamen die ersten Geschwader mit Ju 88 und He 111. Die Soldaten waren noch am Flugplatz in Baracken untergebracht, die durch ihre Tarnung von Bauernhäusern kaum zu unterscheiden waren. Das war auch gut so, denn die Engländer versuchten immer wieder, den Flugplatz auszuschalten, allerdings ohne Erfolg!

Ab November 1943 war Leck ein halbes Jahr Heimatplatz für Teile des Kampfgeschwader 100 (KG100), diese Einheit wurde im März 1944 nach Aalborg verlegt.

In den letzten Kriegstagen, am 30. April 1945, landete eine junge Frau auf dem britisch besetzten Flughafen Leck. Beate Uhse, im Range eines Hauptmanns der Luftwaffe, überführte Übungsflugzeuge zu anderen Fliegerschulen und später Kampfflugzeuge zu den Frontverbänden.

Am Kriegsende verzeichnete ihr Flugbuch 1.898 Flüge. Mit ihrem 18 Monate alten Sohn Klaus, dem Kindermädchen Hanna und vier weiteren Personen gelangte sie in einem abenteuerlichen Marsch durch die umkämpften Straßen Berlins nach Gatow, fand eine noch flugfähige Maschine, deren Typ sie vorher aber noch nie geflogen hatte. Kurz bevor sowjetische Truppen den Flugplatz erreichten, startete sie die Maschine und landete im nordfriesischen Leck, wo sie von britischen Soldaten gefangen gesetzt wurde. Es war ihr letzter Flug als Berufspilotin. Der letzte Eintrag in ihrem Flugbuch ist im Flensburger Stadtarchiv zu sehen.

Nach ihrer Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft ließ sie sich mit ihrem Sohn zunächst in Braderup, dann in Flensburg nieder. 1962 eröffnete sie dort den weltweit ersten Sexshop und baute das nach ihr benannte Erotikversandimperium auf.

Zurück nach Leck:

Die British Air Force of Occupation (BAFO) vernichtete nach Kriegsende auch in Leck dorthin verbrachte Luftfahrzeuge der früheren Luftwaffe. Als Basis fliegender Einheiten der Royal Air Force wurde Leck im Unterschied zu anderen früheren Luftwaffen-Fliegerhorsten jedoch nicht genutzt.

Während des Kalten Krieges wurde der frühere Fliegerhorst durch die neu aufgestellte Luftwaffe der Bundeswehr reaktiviert und erneut militärisch genutzt.

Erster hier stationierter Verband war das „alte“ oder „norddeutsche“ Jagdgeschwader 72 (JG72), das von 1959 bis zu seiner Verlegung im September 1964 in Leck beheimatet war.

Anschließend verlegte das zuvor im nahen Eggebek liegende Aufklärungsgeschwader 52 (AG 52) mit seinen RF-84F Thunderflash nach Leck.

Nach Einstellung des militärischen Flugbetriebes wurde der Standort Leck/Stadum 1994 Heimat von Flugabwehrraketenverbänden, zunächst die Flugabwehrraketengruppe 39, die mit der Hawk ausgerüstet wurde. Zehn Jahre später fusionierte die inzwischen mit Patriot ausgerüstete Gruppe mit der Flugabwehrraketengruppe 41 (Roland) zunächst zur Flugabwehrraketengruppe 11, an dessen Stelle 2005 die Flugabwehrraketengruppe 25 trat. Sie gehörte zum Flugabwehrraketengeschwader 1 „Schleswig-Holstein“ , dessen Stab in Husum lag. Die FlaRak-Gruppe 25 wurde im Dezember 2012 mit einem feierlichen Schlussappell aufgelöst. Aktuell ist das Bataillon Elektronische Kampfführung 911 der Nutzer.

Heute ist der gesamte Militärflugplatz stillgelegt und steht für eine zivile Nachnutzung zur Verfügung. Er ist als Sonderlandeplatz für Segelflugzeuge, Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und Motorflugzeuge mit einem Höchstabfluggewicht von bis zu zwei Tonnen zugelassen. Der komplette Teil nördlich der Landebahn steht unter Naturschutz. Das Kraftfahrtbundesamt nutzt seit 2020 einen Teil als KFZ-Abgas-Teststrecke.

Mit der Unterzeichnung eines städtebaulichen Vertrages am 13. März 2017 zwischen den drei Anliegergemeinden Leck, Tinningstedt und Klixbüll auf der einen und der Eigentümerin der Fläche, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), wurde die Konversion (Umwandlung) dieser ehemaligen Militärfläche vorangetrieben. Auf dem Gelände sollen ein großes Wohngebiet und der Businesspark Südtondern sowie ein Datacenter entstehen.

Die auf dem Flugplatz beheimatete Sportfluggruppe Leck wird im westlichen Teil, im „Airpark Nordfriesland“ ihre Heimat finden. Ggf. wird es auch eine touristische Nutzung geben, außerdem befindet sich eine militärhistorische Sammlung auf dem Areal, die bestehen bleiben soll.

Rund um den Flugplatz gibt es teilweise geschichtsträchtige Wege, die einen Abstecher reizvoll machen. Einer davon führt zum „Kolonistenstein“. Die Geschichte der Kolonisten, die Mitte des 18. Jahrhunderts versuchten, die Heide der Geestlandschaft urbar zu machen und scheiterten, sind auf einer weiteren Infotafel am Rundwanderweg erklärt.

Infoquellen u.a.

750 Leck, Herbert G. Hegedo + Georg Köster
Wikipedia